Die geplante Absenkung der Honorare für psychotherapeutische Leistungen um 4,5 Prozent ab dem 1. April 2026 löst bei den GRÜNEN Sorge aus, da sie die bereits bestehenden Versorgungslücken für psychisch erkrankte Menschen weiter verschärft. Deshalb wird die Grüne Ratsfraktion Gelsenkirchen für den kommenden Gesundheitsausschuss einen Antrag zur psychotherapeutischen Versorgungslage in der Stadt stellen.
„Die Entscheidung des Schiedsgremiums vom 11.03.26 ignoriert die Realität: Der Bedarf an psychotherapeutischen Leistungen steigt seit Jahren. Doch anstatt die Versorgung zu stärken, werden durch die Honorarkürzungen Fehlanreize zulasten von GKV-Versicherten veranlasst “, erklärt Irene Mihalic, Bundestagsabgeordnete der Gelsenkirchener GRÜNEN. „Wenn Praxen wirtschaftlich unter Druck geraten, gefährdet das die Versorgung gesetzlich Versicherter. Ein Ausweichen auf Privatpatient:innen und Selbstzahlende seitens der psychotherapeutischen Praxen würde eine weitere Verschärfung sozialer Ungleichheit zur Folge haben.“
Ilayda Bostancieri, GRÜNE Landtagsabgeordnete aus Gelsenkirchen ergänzt: „Die Folgen sind absehbar. Überdies trifft es wieder einmal eine Berufssparte, die vorrangig von Frauen ausgeübt wird. Statt pauschaler Kürzungen brauchen wir nachhaltige Reformen. Eine neue Bedarfsplanung und verlässliche Rahmenbedingungen für Psychotherapeut:innen in Weiterbildung sind überfällig. Eine bedarfsgerechte Versorgung erfordert ausreichend Behandlungsangebote und genügend Fachkräfte, die Patient:innen behandeln.“
Die ehemalige GRÜNE Vorsitzende des Gelsenkirchener Gesundheitsausschusses, Ingrid Wüllscheidt, mahnt: „Die geplante Absenkung trifft Städte wie Gelsenkirchen besonders hart, da die psychosozialen Belastungen aufgrund von Armut und Arbeitslosigkeit hier besonders hoch sind. Das Hilfesystem stößt schon jetzt an seine Kapazitätsgrenzen. Es ist zu befürchten, dass Betroffene vermehrt etwa bei ihren Hausärzt:innen vorstellig werden. Wir dürfen nicht riskieren, dass insbesondere Menschen mit komplexen Problemlagen Nachteile erfahren, weil ihre Behandlung wirtschaftlich weniger attraktiv ist.“
Ambulante Psychotherapie kann teure Klinikaufenthalte, Chronifizierung von Erkrankungen und lange Arbeitsausfälle vermeiden. Die GRÜNEN fordern daher strukturelle Reformen, die das Hilfesystem nachhaltig stützen, denn diese sind eine Investition in die Demokratie und die seelische Gesundheit der Menschen.
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