Vom Goldbergpark ins Kunstmuseum – und dann? GRÜNE informieren sich über die NS-Skulptur „Olympia“

Soll die restaurierte Figur „Olympia“ wieder einen Platz im öffentlichen Raum bekommen? Und wenn ja, unter welchen Bedingungen? Zur eigenen Positionsfindung hat die Grüne Ratsfraktion das Kunstmuseum in Buer besucht und sich über ihre Entstehungsgeschichte sowie über das Leben ihres Erschaffers, des Bildhauers Fritz Klimsch, informieren lassen.

Denn seit Mitte Juni ist das Kunstmuseum der Ausstellungsort der „Olympia“, wo ihre NS-Vergangenheit in einer kleinen Schau thematisiert wird, nachdem sie 2016 aus dem Goldbergpark in Buer entfernt worden ist.

Umgang mit Kunstwerken aus der NS-Zeit

„Schon damals, als die ‚Olympia‘ 1957 von der Stadt erworben worden ist, löste ihr ideologischer Hintergrund eine öffentliche Debatte aus. Heute sind wir als Gesellschaft noch mehr dazu verpflichtet, ihre problematische Geschichte herauszustellen und an die Verbrechen der NS-Vergangenheit zu erinnern“, macht Niklas Witzel klar, der die GRÜNEN in der Bezirksvertretung Nord vertritt. „Fest steht: Es ist keine Option, die ‚Olympia‘ einfach wieder an ihren bisherigen Ort im Stadtraum zu platzieren und damit ihren alten Status wiederherzustellen.“

Auch die Stadtgesellschaft ist aufgefordert, darüber zu diskutieren, wie es mit der Skulptur weitergehen soll. Am 18. August organisiert das Kunstmuseum in Kooperation mit dem Institut für Stadtgeschichte deshalb einen Fachaustausch mit dem Kurator Wolfgang Brauneis zum Umgang mit NS-Kunst im öffentlichen Raum. Dieses Angebot wollen auch die GRÜNEN wahrnehmen.

Erinnerungskultur braucht öffentliche Diskussion

„Erinnerungskultur ist ein dynamisches Feld, das insbesondere heutzutage einen intensiven Diskurs erlebt. Das gilt nicht nur für Werke aus der NS-Zeit, sondern z. B. auch für solche aus dem Kolonialismus. Wir müssen gemeinsam als Stadtgesellschaft einen Umgang mit ihnen finden, deshalb ist die öffentliche Diskussion so wichtig“, kommentiert die kulturpolitische Sprecherin Adrianna Gorczyk. „Hierbei geht es aber nicht nur um Meinung, sondern es braucht vor allem auch die Kenntnis und die Anerkennung von wissenschaftlich gestützten Informationen, wie zuletzt die Debatte um die Lenin-Statue in Horst gezeigt hat.“


Zum Hintergrund:
„Olympia“, eine sitzende nackte Frauengestalt, ist ein Nachguss aus den 1950er Jahren einer Skulptur des Bildhauers Fritz Klimsch.
Der Originalguss wurde 1936 von der Heeresleitung für ein Militärlazarett in Magdeburg beauftragt. Ein weiterer Abguss der Skulptur stand im Garten der Neuen Reichskanzlei, dem Amtssitz von Adolf Hitler. Klimsch selbst wurde in die sogenannte „Gottbegnadeten-Liste“ an „unabkömmlichen“ Künstler*innen des Nationalsozialismus aufgenommen und genoss dadurch einige Privilegien.

Für die Skulptur hat die Berlinerin Ottilie Meyer Modell gestanden. Die damals ca. 30-jährige Frau hatte eine jüdische Mutter, blieb aber vom Völkermord der Nationalsozialisten verschont. Klimsch hatte die Züge der „Olympia“ bewusst so angepasst, dass sie der nationalsozialistischen Ästhetik entsprach und das Idealbild der „arischen Frau“ verkörperte.

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